Voices from Basel: Beatrice Stirnimann über virtuelle Konzerte und die Rückkehr an den Messeplatz.

Sie hat im vergangenen Jahr mit ihrem Team in gerade mal elf Tagen eine virtuelle Konzertreihe aus dem Boden gestampft, musste dafür aber ihren Live-Event zum zweiten Mal absagen. Beatrice Stirnimann, CEO der Baloise Session und langjährige Kundin der MCH Venues, hat sich mit uns über Freud und Leid in Zeiten der Pandemie unterhalten.
Beatrice Stirnimann
© Dominik Plüss

Frau Stirnimann, die Baloise Session musste heuer ein zweites Mal abgesagt werden. Was hat das für Auswirkungen für Ihr Unternehmen?

Das war verheerend für uns, ich kann es nicht anders sagen. Von einem Tag auf den anderen waren wir in der Existenz bedroht. Das hatte zur Folge, dass wir uns reorganisieren, neu ausrichten und unser Team verkleinern mussten – ein sehr schmerzhafter Prozess. Aber wir hatten Glück im Unglück: Dass wir auf derart grosse ideelle und finanzielle Unterstützung seitens unseres Presenting Sponsors Basler Versicherungen zählen dürfen, ist ein Segen und erachten wir keineswegs als selbstverständlich. Auch unsere Hauptsponsoren, Basler Kantonalbank, Novartis, Dufry, Amag, Cornèrcard und IWB sind uns finanziell entgegen gekommen. Zudem sind wir in den Genuss von Kulturbeiträgen des Kantons Basel-Stadt gekommen und konnten für unsere Mitarbeitenden Kurzarbeit anmelden. Dies alles gibt uns grosse Hoffnung in dieser Krise.

Die Baloise Session war eine der ersten Veranstaltungen, die konsequent auf ein virtuelles Format gesetzt hat. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Wir haben schon vor dem Ausbruch der Pandemie über ein solches Format nachgedacht, deswegen konnten wir sehr schnell reagieren. Unser erstes Konzert mit 77 Bombay Street flimmerte bereits elf Tage nach dem ersten Lockdown über die Bildschirme zu Hause. Damals war noch vieles improvisiert. Als sich dann aber gezeigt hat, dass sich die Situation nicht so schnell entspannen wird, haben wir Baloise Session @home professioneller aufgezogen: Mit einer Kameracrew statt mit Handyaufnahmen und begleitet von einem Kommunikationskonzept, welches den teilnehmenden Künstlerinnen und Künstlern schon im Vorfeld ihres Gigs eine Plattform bietet. Die Unterstützung der hiesigen Musikszene ist das zentrale Anliegen, das wir und die Basler Versicherungen damit verfolgen. Deswegen war es für uns auch von Anfang an klar, dass alle Musikschaffenden, die bei uns auftreten, eine Gage erhalten. Und der Erfolg gibt uns recht: Live schauen jeweils zwischen 500 und 1400 Personen zu, über den on Demand-Service sind es sogar noch deutlich mehr. Mit den renommierten Künstlern Milow, Stephan Eicher, Philipp Fankhauser, 77 Bombay Street, Stefanie Heinzmann, Seven, Bastian Baker, Marc Sway, Pegasus, Steff la Cheffe, Baschi, Damian Lynn, James Gruntz, Stress und Dodo haben wir bereits über 1,8 Millionen Menschen erreicht.

Gehen Sie davon aus, dass eine Rückkehr zum Normalbetrieb im 2022 möglich sein wird?

Leider besitze ich keine Kristallkugel, um mit absoluter Sicherheit sagen zu können, ob wir im 2022 tatsächlich wie gewohnt in die Eventhalle einziehen werden. Es stimmt mich aber sehr zuversichtlich, dass überhaupt wieder eine Planung möglich ist. Fürs 2021 wäre es undenkbar gewesen auf gewohnt hohem Niveau unseres Festivals internationale Künstlerinnen und Künstler zu buchen. Für 2022 gibt es immerhin schon einige Bestätigungen. Allerdings steht und fällt unser Line-up natürlich mit den Lockerungen und Aufhebungen der internationalen Reisebeschränkungen.

Welche Learnings ziehen Sie aus den vergangenen Monaten, wird die Baloise Session künftig noch dieselbe Veranstaltung sein wie vor Corona oder wird sie sich verändern?

Wir machen uns viele Gedanken über mögliche Weiterentwicklungen. Vieles davon ist aber noch nicht spruchreif. Das virtuelle Format wird uns wahrscheinlich in irgendeiner Form erhalten bleiben. Auch wenn es schwierig ist, zeitliche Prognosen zu machen, glaube ich fest an unser Festivalkonzept. Klein ist das neue gross. Wenn es dereinst wieder möglich ist, Konzerte zu veranstalten, sehen wir uns mit unserem «klein aber fein» und intimen Konzept mit Clubtischen und Kerzenlicht perfekt aufgestellt.